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STAMMASTZWEIG
präsentiert

MAURICE FROM MARS
in

FROGGER
EINE UNHEILIGE ALLIANZ



 
Die Ankunft
 
"Du kannst nicht immer Recht haben" flachste Nadine siegessicher. Diesmal konnte sie ihren Augen trauen. "Da war nichts! Und rede mir jetzt nicht das Gegenteil ein." Sie fühlte sich des öfteren ein klein wenig unterdrückt, wenn es darum ging, wer wohl Recht habe. Jens tat seine Meinung stets kund und machte auch keinen Hehl daraus, ihr überlegen zu sein. Waren es nun Kreuzworträtsel, Stadt-Land-Fluß oder eben Beobachtungen, die sie beide gemacht hatten. Jens war bei der Musterung lediglich an seiner Körperhöhe gescheitert, um bei den Fallschirmspringern angenommen zu werden. Seine Augen waren messerscharf. Und er hatte -das hätte er schwören können- verdammt nochmal etwas gesehen. Auch wenn der Waldweg nur eine kleine Schneise war und den Blick gen Himmel einengte. Da war etwas. Aber an ihrem ostermontaglichen Spaziergang blieb keine Zeit, um dem nachzugehen. Die Bäuche vom reichhaltigen Mittagessen Nadines' Mutter bescherte beiden eine gewisse Trägheit. "Laß uns zum Auto zurück, ist viel zu ungemütlich. Bestimmt regnet es gleich wieder. Außerdem gehen mir diese ganzen Frösche auf die Nerven."

Als der Touran knisternd den Feldweg verließ und das Motorengeräusch versiegte, blieb der Landstrich an der A39 in stiller Einsamkeit und Ruhe zurück.
 
 
Nichts deutete auf sein Ankommen hin...
 
 
Was sich Nadine's Blicken entzog, als sie sich in Erwartung einer heißen Tasse Kakao auf den Beifahrersitz begab, war dieses... Ding, welches sich verkantet am Rande der Birke befand. Aus der Ferne einer Badewanne ähnlich, möchte der geneigte Leser zustimmen. Doch begeben wir uns einmal näher heran...

Tatsächlich! Keine Badewanne. Nein, nur ein horrormovie-ungeübtes Auge würde sich so täuschen lassen. In der Tat keine Badewanne! Das... das kann doch nicht... DOCH! Das konnte wirklich nur eines sein: ein an der Rinderkoppel geparktes, intergalaktisches Raumschiff im Retrostyle-Tarnmodus! Eindeutig.
 
 
Er war hier. Er ist angekommen. Nach einer abenteuerlichen Reise durch die Wirren der Galaxie; durch die Irrungen der Aldi-GPS-Empfänger; durch die Wiederungen, die eine Cabrioversion des transgalaktischen Raumgleiters mit sich bringen, hat er es geschafft!

Meine Damen und Herren, machen Sie sich bereit für den wohl bedeutensten und am meisten unterschätzen Retter der menschlichen Rasse. Der weder artverwandte noch gewinnorientierte stetige Unterstützer der Welt:

Maurice
 
 
(Unter der Badewanne ganz unten, dat kleene Figürchen!)
 
Die Wasserkühlung zum Wiedereintritt in die Erdatmosphäre hatte während der letzten Schlacht um den äußeren Ring des Saturn seinen Dienst aufgegeben. Das Wasser trat in den Innenbereich und beeinträchtigte die Stabilität des Cabriogleiters dermaßen, daß Maurice erheblich vom Kurs abgekommen war.

Doch nun war er hier, bereit, sich neuen Abenteuern zu stellen und uneigennützig und heldenhaft die Menschheit vor den "Bösen Machenschaften Der Ganz Schön Dunklen Seite" zu beschützen.
 
 
Erst einmal einen Überblick verschaffen. Die Angaben des Chiefs waren nicht sehr umfangreich. Zwar hatten die Kundschafter schon erstes Bildmaterial besorgt und alles Bekannte war sorgsam zusammengetragen worden. Doch ließ das gesammelte Material nicht mehr als vage Vermutungen zu. Eigentlich gewohnte Voraussetzungen, doch diesmal sollte es schwerer werden, als er es sich je zu träumen gewagt hätte.

Die Cabriowanne war nicht mehr zu gebrauchen. Funkkontakt zur Zentrale nicht möglich. Er war auf sich allein gestellt. Ziemlich mies, mit Plastikbeinen und ohne Räder. Aber darüber mußte er sich nun hinwegsetzen! Das Ziel war zu wichtig, um auf solche physikalischen Gesetze Rücksicht nehmen zu können.
 
 
Weiter, Maurice, immer weiter, die Straße entlang, der Gefahr entgegen...
 
 
Kampstüh, Ostern 2008
 
Es roch nach kaltem Schweiß. Angewidert drehte sich Thomas ab. "Verdammt noch mal, wie lange soll ich hier noch abhängen. Lass uns endlich loslegen!" schallte es laut durch die Hallen. Gefolgt von einem Knall und vibrierendem Getöse auspendelnder Ketten ließ sich Woijtilak in den muffigen Sessel fallen. Thomas konnte ihn nicht ausstehen. Dieser Kerl war zwar ein Söldner. Aber kein besonders geduldiger. Er hätte erwartet, daß er sich still und ruhig verhält. Schließlich erhielt er einen großen Vorschuß und hatte eigentlich nichts auszustehen. Außer, zu warten. Warten, bis sie beide das Zeichen bekamen. Warten, bis sie sich ihres Versteckes lossagen konnten um den Plan ausführen. So hockten sie seit 3 Tagen in der tristen Lagerhalle und gingen sich gegenseitig auf die Nerven. "Bleib ruhig, der Anruf wird schon früh genug kommen." versuchte er, den aufgebrachten Polen zu beruhigen. Er wollte auch nicht, daß er der Geisel etwas antat. Nicht, daß es ihn gestört hätte, aber wann immer es möglich war, hat er es vermieden, Unschuldige mit hineinzuziehen. Und dieser junge Bursche war alles andere als schuldig.

"Dieser Bengel geht mir auf den Geist und ich habe Langeweile. Was denkst Du, Thomas, wollen wir uns ein wenig vergnügen?"

Hätte Alfons nicht ständig das Jammern seiner Frau im Ohr, wäre er wohl selber am Wochenende nocheinmal ins Lager gefahren, um diesem Bauherren die Muster für die Dachpfannen auszuhändigen. *ts* "Wer will sich denn ernsthaft bei diesem Wetter Musterziegeln aufs Dach legen?", dachte er sich noch, als er er Arthur anrief um ihn zu bitten, raus zu fahren. Der Junge war im zweiten Lehrjahr und hatte sich durch seine Zuverlässigkeit den Firmenschlüssel verdient. So war er es auch, der sich nichts dabei dachte, als er einem Herrn Woijtilak am Karfreitag das Tor zur Lagerhalle "Lh3" öffnete...
 
 
Als das Telefon in der Halle klingelte, gaben die Ketten keinen Laut mehr von sich!
 
 
Maurice sollte die Kontaktperson in der Kirche in Lehre treffen. Keine Details, das wäre zu gefährlich gewesen. Alle Beteilgten sollten nicht mehr als unbedingt notwendig voneinander wissen. Die Drahtzieher waren der Zentrale nicht bekannt. Aber im Dorf sei etwas durchgesickert. Sie mußten einfach jedem Hinweis folgen, das war die einzige Chance. Die Tür war geschlossen. Keine Chance, sie zu öffnen...
 
 
"So ein Mist". Die Tür blieb verschlossen. Keine Person weit und breit. Er hatte den Weg hierher gemacht, weil es die einzige Spur war. Viel Zeit war vergangen. Und genau dies war es, wovon sie am wenigsten hatten: Zeit! Gerade wollte er von dannen ziehen, als ein kleines Stück Papier seine Aufmerksamkeit erregte.

Inmitten der Blumendekoration fand Maurice einen Zettel:

   "LH3. Heute nachmittag. Bitte beeilen Sie sich. Der Adler ist im Horst.
   PS: Mein Mann ist ein guter Mann, er wollte das alles nicht!"

Die Schrift ließ ihn auf eine Frau schließen. Oder ein Kind gar. Diese weichen Buchstaben... mit einem Füller geschrieben...

"LH3?" Was konnte das bedeuten? Lufthansa? Der Flughafen Hannover war eine gute Autostunde entfernt. Aber ohne Badewannencabrioraumgleiter war dies nicht zu schaffen. Außerdem haben Flugnummern doch eine andere Syntax. Zwei Buchstaben gefolgt von vier Zahlen. Glaubte er sich zu erinnern. LH. 3. Eine chemische Formel? Er kannte doch diesen Chemiker aus Berlin, er würde ihm sicher sagen können, was das heißen könnte. Ein guter Mann. Er wollte das nicht. Weiche Buchstaben. - Es war der Zettel einer Frau. Eine Frau, welche ihren Mann... retten wollte? Verraten wollte? Es musste jemand aus dem Ort sein. Vielleicht konnte man ihm an der Tankstelle eine Auskunft geben.
 
 
"Nochmal Mist! Überall Kameras." Gerade rechtzeitig konnte Maurice sich hinter der Zapfsäule verstecken. Die Überwachungskameras durften ihn auf keinen Fall erfassen. Er wusste, daß die Kameras auf den Stationen dieses Konzerns von der Firma "Lovely Surveillance Inc." betrieben wurden. Eine Firma mit Sitz in St. Petersburg und bekannt dafür, ihr Video-Backend-System nicht nur für harmlose Wirtschaftsspione zugänglich zu machen.

LH3. Der Adler ist im Horst. Maurice grübelte.

"Ja leck mich fett, jetzt weiß ich, was das bedeutet!"
 
 
Auszug aus Geheimakte "Adler": Der Adler hat ein Eplus Mobiltelefon. Einzige Funkstation, welche die Zelle versorgt, liegt zwischen Lehre und der A2 an einer Landstraße. Überwachung erfolgt, 2 Beamte im Dauereinsatz.



"Es ist 17:30, hier ist NDR Info mit den Nachrichten. - Lehre: Die seit Tagen anhaltenden Regenfälle haben die Froschpopulation explosionsartig ansteigen lassen. Wie aus früheren Berichten bereits bekannt, steht das Forstamt dem Anstieg bedenklich gegenüber. Ein Sprecher ließ verkünden, daß die Belästigungen der letzten Wochen mit Sicherheit zunehmen würden und für die Sicherheit von Haustieren nicht mehr garantiert werden könne. Alle Haustierbesitzer werden gebeten, in ihren Wohnungen zu bleiben. - Berlin: Neueste Untersuchungen zum demografischen Wandel in Deutschland sehe die Regierung nicht mit Besorgnis. So ein Sprecher aus der Bundestagsfraktion der CDU. Die Rente sei nach wie vor..."   *klick*

"Scheiß Nachrichten, ist doch immer das selbe. Bla bla bla." Thomas konnte das Gelaber von Woijti nicht mehr ertragen. Er hätte selber nicht gedacht, daß ihn ein Mensch einmal dermaßen nerven konnte. Nicht genug, daß er sich am Jungen vergangen hatte. "Gott hab ihn selig" dachte er sich. Aber er wollte sich nicht den Unmut des 2-Meter-Hühnen zuziehen. Er wollte einfach nur aus der Sache raus. Einfach den Job erledigen. Den letzten Job. Das hatte er seiner Frau gesagt. "Nur noch dieses eine Mal, dann verschwinden wir" klang es noch in seinen Ohren. Er hatte es ihr versprochen. OK, es wäre nicht das erste Mal, daß er sein Versprechen nicht einhielt. Aber er wollte alles in seiner Macht stehende tun, um es diesmal richtig zu machen. Er war doch ein guter Mann.



Die Gefahr war enorm. Maurice hatte es nicht mehr nur mit organisierter Kriminalität in Moskau zu tun. Es waren auch keine prügelnden Stadtrand-Banditos in Mexiko Stadt. Nein... es waren...
 
 

Ja. In ihrer ganzen kalten Härte würden sie auf ihn kommen, ohne abzulassen würden sie in ihrer kristallernen Festigkeit versuchen, sein kleines rotes Plastikgehäuse zu zertrümmern. Böse Eiszapfen. Tapferer Maurice, Dein Mut und Entschlossenheit sind nun gefragt.

Denn sein Ziel, daß hatte der kunststoffige Marsianer längst angepeilt. LH3. Ihm war klar, was er zu tun hatte, wohin er gehen musste. Er wusste es. Und sein scharfer Verstand hatte ihm gleich zwei weitere Gedanken eingegeben: 1. Nutze den Überraschungseffekt! 2. Lege ihre Kommunikation lahm!

Und als unser dreifüßiger Held seiner Gedanken klar wurde, formte sich seine Strategie: der Eplus Mobilfunkturm muß zerstört werden. Somit sind die Schergen von ihrem Meister getrennt und können keine Befehle entgegen nehmen. Sie werden handlungsunfähig. Also los... der Funkmast muß ganz dolle kaputt gemacht werden. Ich werde es tun!

 
 
Großartig, Maurice. Rette uns vor den "Bösen Machenschaften Der Ganz Schön Dunklen Seite"!
 
 
(Auf Special Effects haben wir bewußt verzichtet. Es kamen keine Tiere zu Schaden!)
 
Super, kleiner Held, das hast Du ganz super gemacht. Der Eplus Mobilfunkmast ist außer Gefecht setzt! Supi!



Wie geht es denn jetzte bloß weiter? Ich bin ja so gespannt. Mir zerreißts gleich die Kopfhaut, so spannend finde ich das gerade. Wird Maurice mit seinem Vereitelungsplan durchkommen? In 'nem Hollywood-Streifen auf jeden Fall, da gewinnt ja immer das Gute. Aber hier? Ich meine, die fiesen Böslinge warten ja nur auf einen Anruf. Vielleicht platzt dem Woijtilak ja der Kragen. Dann legen die beiden einfach los und dann kommts ganz Dicke! *ohmenno* Da kann ja noch alles voll in die Hose gehen.

Kommt, lasst uns weiter gucken...
 
 
"Es ist 17:50, hier ist Radio SAW mit den Nachrichten... immer 10 Minuten früher! - Sachsen-Anhalt und die Welt: Nachdem die Froschplage seit gestern auch in unserer Region Einzug gehalten hat und führende Forstbeamte für die Sicherheit der Bevölkerung nicht mehr garantieren können, hat eine Landflucht eingesetzt. Die Kommunalen Behörden jedoch bitten die Bewohner von Dörfern und Gemeinden, in ihren Häusern zu bleiben. Es besteht trotz der Warnung der Forstämter kein Grund zur Besorgnis. Radiozuhörer haben unserer Redaktion von kilometerlangen Staus auf den Autobahnen berichtet. In Teilen des Großraumes Braunschweig fielen die Mobilfunknetze aus..." *klick*
 
 
Es wird langsam heiß. Der Anruf hätte doch längst kommen sollen. Warum ruft der verdammte Kerl nicht an? Die Panik bei den Menschen macht sich langsam breit. Das wäre doch der ideale Zeitpunkt, zuzuschlagen. Worauf wartet er noch? Warum ruft er nicht an? Ich kann das Radio nicht mehr so laut anstellen. Wenn das der Wütende Wilde hört, dreht der noch vollkommen durch. ICH MUSS RUHIG BLEIBEN. Denk an Anna. Denk an Deine Frau. Du tust das nur für die beiden. Dann ist es...

"Thomas! THOMAS!!! Hey, Alter! Ey, ich geh mal raus. Ich hab da ein paar komische Geräusche gehört. Ich check das mal!"
 
 
"FUCK!" Jetzt habe ich mir doch glatt eines von drei Beinen eingeklemmt. "Dat jibbet doch janich"
 
 
 
Der Adler
 
Maurice hatte messerscharf kombiniert. LH3 konnte nur "Lagerhaus 3" bedeuten. Es lag auf dem stillgelegten Gelände der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung in Kampstüh. Ein unscheinbarer, ziemlich heruntergekommener Gebäudekomplex unweit von Lehre. Einige Kleinbetriebe hatten dort ihre Lager und Werkstätten. Tischler, Dachdecker und Speditionen konnten für eine geringe Miete die alten kasernenähnlichen Bauten beziehen. Obwohl die Stadt Wolfsburg einiges an Subventionen in die Ansiedlung von Zulieferbetrieben steckte, blieben die ganz kleinen Firmen oftmals auf der Strecke. Gewerbegebiete wurden neu erschlossen und Bürohäuser gefördert; blieben aber nicht allzu selten ungenutzt ob ihrer immer noch viel zu hohen Kosten. Gründer und Kleinstbetriebe blieb da oft nur der Weg in die Suburbanität.



Halt! Ihr fragt Euch, wie unser vino rosso liebender Hobby Knatterton darauf gekommen war, daß "LH3" einfach Lagerhaus 3 bedeuten musste? Kommissar Zufall spielt hier keine unwesentliche Rolle. Denn es war 1992, als Maurice als Sohn eines Postbeamten dazu verdonnert war, auf der sonntäglichen Briefkasten-Entleerungs-Tour mitzufahren. Die frostigen Temperaturen des Rekordwinters in diesem Jahr ließen ihn stets im warmen Postbulli sitzen bleiben, während er dabei zusah, wie sich der blättrige Inhalt der gelben Bundespost-Behälter in die giftgrünen Säcke entleerte, als ob sie sich einer Notdurft entledigten.

Und bei eben einer dieser Touren war ihm, stets aufmerksam und an der Umwelt um ihn herum interessiert, aufgefallen, wie ein brauner '89er AMC Eagle Limited neben einem Lagerhaus unweit des Briefkastens parkte.
 
 

DAS WAR DER ADLER!



Den Zaun erklommen, den Stacheldraht übersprungen, macht sich unser großäugiger Postbeamtensohnmarsianer auf den Weg durch das unwegige Geäst des Areals. Bis zum Lagerhaus mag es nun nicht mehr weit sein. Er erreicht bereits den gepflasterten Weg hinter den Hallen... nun ist Ruhe und Vorsichtigkeit nebst Bedachtheitlichkeit gefragt!

Seine Schritte... sie werden langsamer... vorsichtiger... bedachter...

Aber ein RIESEN KRACH ertönt, als er plötzlich und unerwartet aus Versehen und ohne Absicht zufällig durch einen leichten Schubs mit der Außenkante seiner Schuhsohle gegen eine Altkleider-Tonne tritt und diese polternd umfällt...

 
 
"FUCK! FUCK! FUCK! Verdammte Fickpisse, jetzt hab ich aus Versehen und ohne Absicht zufällig durch einen leichten Schubs mit der Außenkante meiner Schuhsohle gegen die Altkleider-Tonne getreten und diese ist polternd umgefallen!", dachte sich Maurice, als anderswo das Unheil ebenso seinen Lauf nahm...
 
 
Sämtliche Bundesstraßen von Ost-Westfalen bis Sachsen-Anhalt und der Lüneburger Heide bis Kreuz Kamen Ost waren mit Warnschildern ausstaffiert. Es ging nichts mehr. Die Frösche gingen den Weg, den die Frösche gingen mussten. An sämtlichen Kreuzungen war das THW und die Bundeswehr im stetigen Einsatz, um der sich rasch wachsenden Epidemie Herr zu werden. OHNE ERFOLG. Kümmerliche Versuche -von Experten der Biologischen Bundesanstalt in Braunschweig empfohlen- waren kein Hinderniss, um der Herrschaft der Frösche Einhalt zu gewähren!
 
 
Überall Zäune. Furchtbar!
 
 
Derweilen... wie stehts um unseren semiprofessionellen Aushilfssherrif... (?)
 
 
"Nenn mich nicht Aushilfssherrif, Du Möchtegern-Autor! Alter, Du schreibst doch wohl nicht im Ernst, daß ich mich in 'nem Radkasten vor dem übelgelaunten Wladi-WasWeißDennIchWieDerHeißt verstecke, oder? *boah* Ganz übel, aber echt ey!"



Anmerkung der Redaktion: Wir nehmen Abstand von der eben gezeigten Szene und bitte um Ihr Verständnis, das wir zwecks Neusortierung der Gedanken die Story überarbeiten. Bitte vergessen Sie das Zitat des Hauptakteurs sowie das Bild mit dem Autoreifen und fahren sie fort zu lesen mit der Erinnerung daran, daß Woijtilak dabei ist, draußen mal zu gucken, wo diese komischen Geräusche herkommen...
 
 
"Nix zu sehen hier... keine umgekippten Altkleider-Tonnen oder ähnliches..." *hm* Auch ein aufgebrachter Woijtilak hat keinen Bock, bei dem sau-schweine-kack-Wetter draußen rumzueiern. Beruhigt für den Augenblick wendet er sich ab und denkt an den leckeren Braten vom Oberschenkel, welcher im Innern der Lagerhalle auf seine alleinige Verspeisung wartet. "Thomas wollte ja nix ab haben davon. Blöder humanitärer Spießer", grummelte er noch, bevor er sich langsam wieder in Richtung der Lagerhalle bewegte...
"Tjihähähähähä! Habe ich die aber mal schön verarscht, die "Bösen Machenschaften Der Ganz Schön Dunklen Seite". Ich brauch mich hier lediglich in diesem zufällig nahe der Lagerhalle stehenden Minibunker verstecken und schon habe ich meinen Fauxpas wiedergutgemacht. Wie geiiiiiiil! Jau Jau Jau. Ich bin schon eine coole Sau. Chief Agent. Jiiiii-Haaaa!"



Noch bevor Woijtilak den entscheidenen Schritt ins Lager treten konnte, schien er Jubelrufe und euphorische Siegesbekundungen zu vernehmen. "DA IST DOCH EINER!" schnaufte der 130-Kilo-Mann und raunte zu Thomas: "Alter, mach das Radio aus, hier draußen ist Besuch!!!"



Jetzt ging es Schlag auf Schlag. Um des Überraschungseffektes eigenverschuldet jäh geraubt, nahm unser voreilig-großmäuliger Agent die Beine in die Hand und rannte aus seinem Versteck. Ob der physischen Unterlegenheit oder Panik, die sich in ihm breit machte: die Schadensbegrenzung musste Eigenerhalt und Rückzug bedeuten, sonst wäre der Letzte, der noch Rettung bringen konnte, verloren.



Hinter einem kleinen Kasten der Hausnummer 37 des Lagerkomplexes versteckte sich Maurice und harrte aus.
Thomas reagierte blitzschnell. Er wußte, daß es nun ernst war. Der nölige Unterton in Woijti's Stimme war wie weggeflogen. Der Profi sprach aus ihm. Er musste nun handeln.

Die Maschinen liefen seit Tagen auf hochtouren. Zwar hatten Woijti und er in regelmässigen Abständen auf die Pegel und Anzeigen des Höllenapparates geschaut, aber kaum Veränderungen wahrgenommen. Lediglich das kalkhaltige Wasser ließ den Filter der Hauptpumpe etwas verstopfen. Dies konnte man aber im laufenden Betrieb bereinigen. So wurde es auch zum Standard, daß sie einfach alle zwei bis drei Stunden den Filter mit der Hand säuberten.

"Kann ich die Maschine alleine lassen?", blitzte es Thomas durch den Kopf. Keine zwei Sekunden später startete er bereits durch, um Woijti zu helfen. So sehr er den stinkigen Typen verabscheute... das Projekt durfte nicht gefährdet werden! Die Maschinen laufen auch von selbst. Und falls wirklich ein paar Frösche durch den DNA-Scan fallen würden, würde der Selektierer am Ende der Froschproduktionskette sie sowieso automatisch aussortieren. Bislang kamen aber noch keine Fehlproduktionen heraus.

Der Griff zur 9mm in seinem Halfter war nur Routine; er hatte sie eh stets dabei.



Maurice wähnte sich ob des ausbleibenden Ansturms in Sicherheit. In gewissem Abstand zur Halle, er war bereits fast wieder am Eingang zurückgekehrt, ging er in sich und überlegte seine nächsten Schritte.
"Denk nach, denk nach, verdammt!" Maurice mochte es nicht, zu fluchen, erwischte sich aber selber viel zu oft dabei. Er stand dermaßen unter Strom, daß er kaum einen Gedanken fassen konnte. Die Altkleider-Tonne umgetreten, dem wütenden Kannibalen entkommen, der Überraschungseffekt für'n Arsch... was nun? "In Ruhe überlegen, Mann!"
SCHOCKSCHWERENOT! Sie haben ihn gefunden! Wie ein wütender Stier, kurz vor dem Anlauf. Wie eine geladene Kugel im Lauf, Richtung Stirn. Wie ein gespannter Flitzebogen... Sie standen dort, jenseits der Schranke... wahrscheinlich war er längst im Visier eines Laseraufsatzes auf einem Scharfschützengewehr. Der Regen prasselte auf ihn hinab... die letzten Tropfen dieses wunderschönen Regens sollten ihn bald treffen...

Er stand unter Strom.

Strom! Ihre Maschinen brauchen Strom! RICHTIG! In einer hundertstel Sekunde erfüllte sich sein Geist mit Klarheit. War die Kugel bereits eingedrungen und hatte sein Herz destroyed? Waren das die Lichtblicke, die man hat, bevor es zuende ist?

Nein, er stand unter Strom. Die Angst war ihm gewichen und er besann sich auf seine Aufgabe. Die Aufgabe, zu der er für den Rest seines Lebens verdammt worden war. Die Rettung der Menschheit. Und nichts anderes hatte in diesem Augenblick mehr verdient, als sich auf sein Ziel zu konzentrieren und alles Machbare zu unternehmen, dies zu erreichen. Strom. Sie brauchen Strom. Und woher bekommen sie den Strom? Auf dieser Anlage gibt es sicher einen zentralen Punkt. Eine Art Leitstelle. Eine Unterverteilung. Oder Oberverteilung. Egal, eine Verteilung. Am Eingang. Dort muß ich ansetzen. Dort habe ich eine Chance. Ich drehe ihnen den Strom ab.

Die einzige Möglichkeit, die noch bleibt!
Mit einem mutigen Satz nach vorn schaffte er es, an die Schranke zu gelangen. Er war aus der direkten Schußlinie verschwunden; blitzschnell und selbst auf unserer High-Tech-Cam kaum zu erkennen. Thomas und Woijtilak erschraken. Damit hatten sie nicht gerechnet. Flucht nach hinten hätte ihnen die Zeit gegeben, das Ziel zu fokussieren und abzudrücken. Der Sprung in ihre Richtung und den Pfeiler der Schranke ausnutzend, verwirrte Thomas und zwang ihn, neu zu zielen.

EIN SCHUSS LÖSTE SICH!

Unbeschadet sprang Mauri -wie er in einer Marketing-Kampagne von Kinder Schoko-Bons auch genannt wird- ins Dickicht und schlägt den Bösen Jungs ein gehöriges Schnäppchen. Wenn ich als Möchtegern-Autor das mal so salopp formulieren darf.

Kaum hat Thomas seine Gedanken nach dem Fehlschuß sortiert, haut er Woijti auffe Schulter und sägt: "Alter, die Maschinen!"
Sie würden ihr Projekt auf Deibel komm raus durchziehen müssen. Da gibts nix.
Thomas besann sich der Tatsachen. Sein Verstand arbeitete. "Er will die Maschinen, schnell zurück zur Halle!"
"Du Lehrling!" ranzte Woijtilak seinen befohlenen Partner an. "Hättest den kleinen Fruchtzwerg doch einfach wegblasen können". "Halt endlich Deinen verdammten Rand, Du stinkender Nichtsnutz" entgegnete er und fasste sich ungestüm unter das Jacket, als wolle er seine 9mm zücken. "Machs doch, na komm schon, kleiner Scheißer, das wolltest Du doch die ganze Zeit schon tun. Komm, hol Deine kleine Knarre raus und erschieß mich... Ooooooch, habe ich Deinen kleinen Jungen gefrühstückt??? Das tut mir aber leid... Ehrlich. Du hättest ihn wohl am liebsten selber erstmal ficken wol

* B Ä N G *

Der Schuß tat dem Rattern der Maschinen keinen Abbruch. Nur war das Fundament, auf dem die Gerätschaften mit dicken eisernen Schrauben befestigt waren, nun von einer dickflüssigen schwarzroten Pfütze überspannt, welche ihren Ursprung aus dem Kopfe eines Herrn Woijtilak Dombrowskie nahm. "Rest in peace, Woijti"
Kampstüh, Ostern 2008, zentrale Stromverteilung
 
Jau, hier ist es. "Grosses Kasten, gehen viele Kabel rein, kommen viele Kabel raus, muss Strom sein." sagte mein türkischer Ausbilder immer. "Ok, Ergül, alter Jadghund, dann hoffen wir mal, daß wir hier richtig sind."



Ein total spannender Hollywood Streifen wäre kein total spannender Hollywood Streifen, wenn der Bösewicht (BlackHat) nicht längst geahnt hätte, was der Held (WhiteHat) vor hat. *haha* Der geneigte Leser mag dieses Spiel schon erkannt haben.



Als Zweitfach hatte Maurice natürlich Physik studiert und wusste sofort, welche Leitungen er zu kappen hatte, um die Höllenfroschmaschine aufzuhalten.

Die Froschproduktionsmaschine lief auf vollen Touren, inzwischen war eine Fläche von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt befallen. Frogger, wie der geistige Vater des grausigen Apparatus es nannte, war in der Lage, den Brut- und Schlüpfvorgang der kleinen Quäker rapide zu beschleunigen. Ein Konsortium aus übellaunigen Darlehensbanken und pharmazeutischen Unternehmen hatte weltweit die Überproduktion der Froschlarven aufgekauft und in gefrorenem Zustand in den riesen Lagerhallen des Kampstüh Areals zwischengelagert. Was bei Menschen noch nie funktionierte, klappte bei Fröschen bereits seit Jahren einwandfrei. Frogger wurde auf der einen Seite mit tiefgefrorenen Larven en block "gefüttert" und "produzierte" auf der anderen Seite hüpf-und-quark-fertige Frösche. Eine durchdachte Sortieranlage brachte die grünen Freunde durch das alte Kanalsystem in die tiefen der umliegenden Wälder. Frogger produzierte und stampfte und hörte nicht auf, ehe die Vorräte an tiefgefrorenem Larvgut zuneige gingen. Und das dem nicht so geschah, dafür sorgte das Konsortium. Die Maschine musste nur am Laufen gehalten werden.



Und was hält eine Maschine am Laufen??? Strom vielleicht??? Thomas war auf dem Weg, um diesen Störenfried den garaus zu machen...
Nur noch wenige Meter trennten unseren Diplom Soziologen von der Spitze des Umspannwerkes. Oben angekommen, würde er die Leitungen kappen und damit die Menschheit (Niedersachsens) von der Froschepidemie befreien können. Wenige Meter nur noch...



"N E E E I N ! ! !" schrie Thomas und zielte auf Maurice' Arsch. "Das lasse ich nicht zu. Nein. Du wirst unseren Plan nicht durchkreuzen. Wir werden diese froschige Epidemie zuende führen!"

('Scheiße auf Toast', dachte sich Maurice. 'Ob mir der kranke Typ echt in den Arsch schießen würde?')

"DU!" (...) "Thomas, DU... Du heißt doch Thomas, oder? Na jedenfalls, Thomas! Du wirst mir doch wohl nicht in den... *äääääh* Ich meine... Thomas! Du wirst die Welt doch wohl nicht mit diesen Fröschen beplagen wollen. Tun ?!? Oder? Überlege doch einmal nur, was das für die Welt für Auswirkungen hätte. Immer dieser Lärm, ist ja eklich..."

"Halt den Rand, kleines rotes Männchen" erwiderte Thomas mit zittriger Hand.

Maurice holte zum letzten verbalen Schlag aus: "Thomas! Denk an Deine Tochter. DENK AN ANNA!!!" ('Den Namen habe ich mal irgendwo auf 'ner Leitplanke gelesen') "Anna wird Dir das nie verzeihen. Außerdem soll sie doch auch in einer schönen heilen Welt aufwachsen. Die Rente ist sicher. Das Waldsterben beendet. Das Privatfernsehen wird kulturell wieder anspruchsvoller. Die Medienlandschaft entzieht sich den Einflüssen der Werbung. Lobbyisten werden arbeitslos, Großverdiener gerechter besteuert und die Schere zwischen arm und reich wird wieder kleiner. Alles wird gut. Also denk an Deine Tochter und bereite ihr ein tolles Leben."

Unser Held war inzwischen auf dem Turm angekommen. Die Zange in der Hand, mit der er die stromführenden Leitungen kappen könnte, was die Welt retten würde. Thomas mit dem Finger am Abzug, einen Millimeter davon entfernt, durchzuziehen und das teuflische Werk der Froschplage zu einem Erfolg zu führen.

Sekunden zogen sich wie Minuten. Beide hielten inne. Das Schicksal der niedersächsischen Menschheit auf Messers Schneide...
Thomas zitternde Hand wandelte sich in pure Entschlossenheit. Er war sich sicher, er hatte seine Entscheidung gefällt.

* B Ä N G *

Ein Schuß durchschlug die Stille. Die Kugel schnitt durch die Luft... ihrem Ziel entgegen. Unaufhaltsam. Gnadenlos.

Sie traf das erste von 3 Stromkabel. Ein Pfiff, ein Zischen, Funken sprühten. Maurice wurde -vom Schreck, von der Energie- weggeschleudert. Er verlor den Halt, fiel von oben herab. Sah zurückschauend noch die Funken, das Getöse. Es folgten weitere Schüsse. Und wieder. Und wieder. Das Konstrukt, welches jahrelang die Barracken und Lager mit Strom versorgt hatte, brach in sich zusammen. Kabel fetzten, wichen der Spannung, unter der sie standen. Metall schrie, Getöse allenthalben.

Das Areal war von der Stromversorgung abgeschnitten. Frogger wehrte sich mit leerlaufender Mechanik, fehlender Kühlung und tiefem Wimmern. Die letzten Zuckungen einer sterbenden froschgebährenden Königin.
Unser stromstarker Erfolgsrhetoriker kam erst in meiner heimischen Mikrowelle wieder zu sich. Er ist ja so ein Solariumfan, der kleine Schalingel! Hier endet nun das erste Abenteuer. Er hat es mir selber erzählt, ich hab nix dazugedichtet.

Raumschiff "MWG 756 E" meldet sich bereit zum Start, schalten Sie wieder ein, wenn er zurückkehrt, um die Menschheit zu retten.



Fin.